DIE DYS­TO­PIE DES DIGI­TAL­MAK­LERS

Das wich­tigs­te Invest­ment mei­ner Fami­lie war unser Eigen­heim. Ich erin­ne­re mich genau. Wir betra­ten das Haus und schnell war klar, dass wir es haben woll­ten. Ich schau­te mei­ner Frau in die Augen und wuss­te, dass wir ein Kauf­an­ge­bot unter­brei­ten wol­len. Und die Ent­schei­dung war gold­rich­tig. Wir füh­len uns wohl in unse­ren eige­nen vier Wän­den.

Mit die­ser Erfah­rung ste­he ich nicht allein. Jedes Jahr fin­den vie­le Deut­sche ein pas­sen­des Zuhau­se, ein pas­sen­des Büro, eine pas­sen­de Laden­flä­che, die sie kau­fen oder mie­ten. Für die meis­ten ist die­se Situa­ti­on ein unver­gess­li­cher Moment. Schließ­lich ist eine Immo­bi­lie immer auch ein Mit­tel­punkt. Ein Mit­tel­punkt der Fami­lie, des Berufs und des eige­nen Traums. Als Immo­bi­li­en­be­ra­ter habe ich das Pri­vi­leg, oft in sol­chen beson­de­ren Momen­ten dabei zu sein. Ich erin­ne­re mich an vie­le Anek­do­ten und strah­len­de Augen. Das ist auch das, was mei­nen Beruf aus­macht.

Digi­ta­li­sie­rung ist Mit­tel zum Zweck

Doch natür­lich hat sich mein Berufs­feld in den letz­ten Jah­ren rasant geän­dert, an vie­len Stel­len deut­lich zum Posi­ti­ven. Uns fällt es heu­te leich­ter, Kon­takt­punk­te für die Prä­sen­ta­ti­on zu schaf­fen, daten­ba­siert Mie­ten und Kauf­prei­se zu ermit­teln, Inter­es­sen­ten zu errei­chen und repe­ti­ti­ve Pro­zes­se etwa in der Ver­wal­tung zu auto­ma­ti­sie­ren. Wir Gewer­be­im­mo­bi­li­en­be­ra­ter sind mit Hil­fe neu­er Tech­no­lo­gien effi­zi­en­ter und digi­ta­ler gewor­den. Wir kön­nen mehr Zeit auf­brin­gen für das, was wirk­lich zählt: die per­sön­li­che Bera­tung. Digi­ta­li­sie­rung ist hier nur ein Mit­tel zum Zweck, aber nicht der Zweck selbst.

Digi­tal­mak­ler ist nicht das Ziel

Den­noch sehe ich um mich her­um zuneh­mend vie­le Markt­teil­neh­mer, die sich als Digi­tal­mak­ler bezeich­nen. Aus mei­ner Sicht beschreibt die­ser Begriff eine ech­te Dys­to­pie. Wie schlimm ist die Vor­stel­lung, dass Immo­bi­li­en­be­ra­tung nur noch digi­tal statt­fin­det? Immo­bi­li­en­su­chen­de, sei­en es nun Käu­fer oder Mie­ter, Gewer­be­trei­ben­de oder Pri­vat­per­so­nen, wol­len digi­ta­le Mög­lich­kei­ten nut­zen, aber sie suchen auch Men­schen. Stel­len Sie sich ein­mal vor, Sie kom­mu­ni­zie­ren auf der Suche nach pas­sen­den Immo­bi­li­en nur noch vir­tu­ell oder – noch schlim­mer – aus­schließ­lich mit Algo­rith­men. Wir brau­chen kei­ne Digi­tal­mak­ler, son­dern digi­tal den­ken­de Mak­ler. Ansons­ten schie­ßen wir über das Ziel hin­aus.

Tech­no­lo­gie wird wich­ti­ger, aber nicht am wich­tigs­ten

Ich bin nun wahr­lich kein Inno­va­ti­ons­ver­wei­ge­rer. Wir bei NAI apol­lo nut­zen an zahl­rei­chen Stel­len neue Tech­no­lo­gien und inves­tie­ren auch in digi­ta­le Geschäfts­mo­del­le. Wir sind Pilo­ten und Part­ner für Prop­T­echs und Ear­ly Adop­ter für neue Ideen. Aber am Ende des Tages dient die Tech­no­lo­gie dazu, unse­re Bera­tungs­fä­hig­kei­ten zu ver­bes­sern, nicht sie zu erset­zen. Natür­lich ist es gut, wenn wir unser Bauch­ge­fühl mit Hil­fe von Daten­ana­ly­sen unter­mau­ern kön­nen. Selbst­ver­ständ­lich ist es rich­tig, unse­ren Kun­den auch vor dem Erst­kon­takt ein mög­lichst prä­zi­ses vir­tu­el­les Bild der Mög­lich­kei­ten zei­gen zu kön­nen. Und es ist voll­kom­men klar, dass wir immer und über­all für unse­re Kun­den erreich­bar sind und auf ihre Bedürf­nis­se best­mög­lich ein­ge­hen kön­nen. Aber das ist digi­tal getrie­ben – und nicht voll­stän­dig digi­tal.

Nicht alles, was mög­lich ist, ist nötig

Als Han­se­at bin ich ein boden­stän­di­ger Mensch. Und genau­so schät­ze ich Tech­no­lo­gien ein. Aus mei­ner Sicht sind Tech­no­lo­gien wich­tig, um uns zukunfts­fä­hig auf­zu­stel­len. Aber wir müs­sen nicht alles nut­zen, nur weil es heu­te mög­lich ist. Es ist kein Wett­kampf zwi­schen Mensch und Maschi­ne. Viel­mehr ist es eine Sym­bio­se. Wir brau­chen Digi­ta­li­sie­rung, um bes­ser zu wer­den. Aber wir brau­chen sie nicht, um unse­re Jobs zu machen. Immo­bi­li­en­be­ra­tung ist nun ein­mal nicht „Ham­bur­ger ver­kau­fen“. Wir müs­sen uns in unse­re Kun­den genau­so hin­ein­ver­set­zen wie in Finan­zie­rungs­the­men und juris­ti­sche Fra­ge­stel­lun­gen. Unse­re Algo­rith­men tra­gen Kos­tü­me und Anzü­ge und nicht Bits und Bytes.